Der Papst und der Steigerwald
Im Steigerwald  wird gerade heftig über ein rund 1.000 Hektar großes Schutzgebiet gestritten und der Papst hat vor wenigen Tagen eine Umwelt-Enzyklika veröffentlicht. Was haben nun das Papst-Papier und die Steigerwald-Debatte gemeinsam? Eine berechtigte Frage, die schnell beantwortet ist, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass die unsäglichen Streitereien im Steigerwald gerade von einer der „christlichsten“ Parteien Deutschlands angezettelt wurden. -Einer Partei, die das große C sogar im Namen trägt und auch noch vorgibt, „sozial“ zu sein. Im Steigerwald, wir rekapitulieren, versucht die CSU-geführte, bayerische Staatsregierung gerade mit aller Macht ein formalrechtlich korrekt ausgewiesenes Schutzgebiet wieder aufzuheben. Zudem haben die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) Klage eingereicht, und zwar genau gegen die Naturschutzbehörde, die den „Hohen Buchenen Wald“ 2014 zum Schutzobjekt erklärt hat. Im Hintergrund dieses vehementen, staatsmächtigen Agierens schwingt eine politische Einstellung, genau genommen jene Ideologie mit, die der Papst Franziskus in seiner Enzyklika massiv anprangert. Er spricht von der „Ausplünderung“ der letzten Ressourcen und von einer „kommerziellen Tätigkeit“, die ausschließlich „das unmittelbare (wirtschaftliche) Ergebnis im Auge hat“ – und nicht den Verlust von Wildnissen, Wäldern und Arten. Die „Interessen des vergötterten Marktes“ dominieren alles!
Kaum zutreffender könnte die Analyse der tieferen Beweggründe sein, die die bayerische Staatsregierung und ihr Anhängsel „Bayerische Staatsforsten“ veranlasst haben, in Sachen „Buchener Wald“ schlicht Rechtsbeugung zu betreiben., -weil eben nicht sein kann, was aus der beschränkten Sicht eingefleischter Holzlobbyisten und Naturschutz-Verhinderer nicht sein darf, weil sich die Politik längst dem Diktat der (Forst-)Wirtschaft unterworfen hat, weil ein Wald, der nicht genutzt wird, eben kein „richtiger“ Wald ist! Der Steigerwald ist in gewissem Maße, unter Mithilfe so genannter „Christ-Demokraten“, zum Symbol einer kläglich gescheiterten Naturschutzpolitik geworden. Solange vor allem unsere öffentlichen Wälder nicht als lebensnotwenige Naturressource anerkannt werden und solange diese Wälder zuvörderst als Renditeobjekte und Selbstbedienungsläden der organisierten Forst- und Holzlobby fungieren dürfen, wird sich an der gängigen Politik kaum etwas ändern. Und ob die Kritik der päpstlichen Enzyklika genau die erreichen wird, die als Adressaten  angesprochen sind, ist ebenso fraglich, denn die vom Papst lautstark kritisierte, zerstörerische Wachstumsideologie hat sich längst zu einer Ersatz-Religion entwickelt, die alle christlichen Vorsätze erstickt und deren Anhänger den weltlichen Vertreter Gottes nur noch als lästige Konkurrenz betrachten.

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